In Lebensgedanken, So ist das Leben

Unschubladisierbar – und jetzt?

Kolumne Lebensgedanken Titelbild

Mit diesem Blogpost schreibe ich nach Längerem wieder in eigener Sache. Ja, das Bloggen mit meinem Musikblog ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden – doch wie war das noch mit der eigenen „Nische“?

In meinem Jahresrückblick 2018 habe ich ein erstes Resumée gezogen: Ich will über Musik schreiben, und zwar nonstop. In einem Anflug der ersten Sinnkrise dieses Jahres kam mir in den Sinn, in einer Gruppe für Musikblogger nach Rat zu fragen. Wie komme ich an mehr Reichweite? Wie erreiche ich noch mehr Kooperationen? Ich bin ehrlich – ich bin Autodidakt. Kenne niemanden, der bereits erfolgreich einen Blog betreibt. Alles habe ich mir angelesen, den Umgang mit WordPress selbst angeeignet (eine Runde Mitleid bitte: Es war eeeecht schwer!*awww* Hier der zeitnahe Blogpost). Doch zurück zu meinem Ruf nach Unterstützung: Immerhin zwei Seelen haben mich erhört. Und haben mir echt gute Tipps gegeben. Ein Rat jedoch beschäftigt mich bis jetzt, nämlich die Sache mit der Nische.

Blogge ich – also bin ich?

Also ich verlinke hier jetzt keinen der zahllosen Artikel zur Thematik. Eine allseits bekannte Grundregel bei der Etablierung eines Blogs lautet, sich bloss seine eigene „Nische“, sein Spezialgebiet, zu suchen. Sich darauf zu konzentrieren, und nicht über „Kraut und Rüben“ zu schreiben. Sehe ich eigentlich auch so, natürlich folgt das grosse Aber: Wer definiert deine Spezialität? Die Empfehlung aus dem Netzwerk lautet also auch: Suche Dir Deine Nische. Noch sehr nett antworte ich: Das hab ich doch schon? Mit gerade vier verschiedenen Musikstilen. Wenigstens drei davon eng miteinander verknüpft, das vierte Glied bei genauer Kenntnis der anderen Genres durchaus mit Verbindungen. Das zumindest aus meinem Blickwinkel. Die objektive Perspektive lautete: Von Metal über Songrwiter bis hin zu Elektro sei es ein weiter Weg.

Wo fängt die Schublade an – wo hört sie auf?

Ich stimme darin überein, dass oberflächlich nicht alle Gemeinsamkeiten erkennbar sind. Dennoch fällt es mir  schwer, eine Linie zu ziehen zwischen den Genres. Weil viele meiner Favourites Anleihen aus eben genannten Stilen ziehen, gerade im Progressive oder im Indie-Bereich. Aber auch im Elektro-Bereich bevorzuge ich gerade jene Künstler, die unter anderem Rock-Elemente einbauen (grade eine Idee für den nächsten Musiktipp gehabt, hehe). Ein Steven Wilson macht einerseits Progressive Rock, driftet aber auch gerne ins Singer/Songwriter-Gewässer – ganz zu schweigen von seinen experimentellen Songs auf der EP „Cover Versions“. So, und jetzt?

Bin ich vielleicht meine eigene Schublade?

Feststeht, ich möchte meine präferierten Musikgenres vorerst so lassen. Man soll aber niemals nie sagen. Allerdings hat das Ganze Erinnerungen an die Entwicklung meines Musikgeschmacks geweckt – quasi ein ewig andauerndes Trauma.  Denn: Ich habe in der Regel das gehört, was mir gefällt. Und wenn das nach einem schnulzigen Pop-Hit der grungige Metalsong war, dann war das eben so. Und ist es noch. Es war und ist nicht einfach, sich einen unabhängigen Musikgeschmack zu erarbeiten und zu behalten. Ich habe halt für jede Lebenslage und für jede Laune einen Musikstil, und richte mich da nach dem gesunden Musikkenner-Geschmack: Es muss einfach gut sein. Wobei ich genauso ehrlich zu mir und anderen bin und sagen kann: Das ist gut, aber ich mag es persönlich nicht.

Die Moral von der Geschicht`

Aus den genannten Gründen definiere ich einfach meine eigene Schublade – gar keine. Das entspricht nämlich auch meinem persönlichen Lebensstil. Mir meine Unabhängigkeit zu bewahren, mich von wenigen Dingen und Menschen abhängig machen. Mich nicht nach dem Mainstream zu richten, noch irgendwelchen Szene-Diktaten zu unterwerfen. Ich mag Metal – muss ich deshalb schwarze Haare haben und nur in Bandshirts rumlaufen? Ich mag Elektro – muss ich deshalb jedes Wochenende die Nächte durchtanzen und optisch spiessig sein? Kurz: Ich habe diesen Blog gegründet, um mein eigenes Ding durchzuziehen. Für Menschen, die ebenso unabhängig durchs Leben und die Musikwelt schreiten. Eben hören, was Ihnen gefällt, mit leichten Tendenzen zu bestimmten Musikstilen, aber dem gewissen Etwas, welches nicht alle Musikschaffende haben. Das ist die grosse Gemeinsamkeit der Stile und meiner Favourites: Unabhängigkeit. Eigenheit. Besonderheit. Das ist meine Nische.

Kann man kreative Köpfe begrenzen?

Die meiner Meinung nach  „Enfant Terribles“ der Musikbranche sind für mich: Radiohead. Mit Thom Yorke als ein -bis heute – unglaublich kreatives Energiebündel (hier geht`s zum Konzertbericht von seiner jüngsten Solo-Tour).  Angefangen haben die Briten mit „Pablo Honey“ und „The Bends“ als DIE neuen Alternative Rock-Götter. Das hätten Sie auch brav so durchziehen können, wie sagen wir mal, Nickleback, und ohne grosse Anstrengungen Millionen scheffeln. Doch mit „Kid A“ aus dem Jahr 2000 vollzog sich ein ziemlicher Bruch: Plötzlich waren jazzige Elemente zu hören (*The National Anthem*) oder gar elektronische Klänge (*Idioteque*) eingebaut. Ab diesem Album, so erscheint es mir rückblickend, haben Radiohead nur noch die Musik erschaffen, welche SIE wollten – und was Ihre Kreativität zu bieten hatte, nämlich eine unendliche Bandbreite. Ich zitiere Thom Yorke aus seinem Song *Black Swan*. In diesem Sinne: Hört und macht, was euch guttut – so wie Thom und ich das tun *grins*.

I don`t care what the future  holds Cause I`m right here and I`m today With your fingers you can touch me I`m your black swan, black swan But I made it to the top, made it to the top This is fucked up, fucked up

Radiohead – *The National Anthem*

Radiohead – *Idioteque*

Pic: robert-anasch-741226-unsplash

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